Sonntag, 1. August 2010 22:02

ULTRA VIOLENT CONVICTS – so werden unter anderem die zwei Protagonisten aus Kane & Lynch 2 beschrieben. Nun habe ich den ersten Teil zwar noch nicht gespielt, allerdings habe ich mir fast eine Stunde Gameplay vom zweiten Teil angesehen und die Demo auf Playstation 3 durchgespielt, wobei mich ein kleines, aber feines Detail fasziniert hat, nämlich das Zensieren von Kopfschüssen. Warum das bei diesem Spiel etwas Positives ist, erklärt sich wie folgt:
Die Präsentation von “K&L2″ unterscheidet sich von gängigen Shootern, indem es unter anderem auf besonders packende, realistisch inszenierte Schießereien setzt. Durch die unter vielen Spielern nicht so beliebte Shakycam wird der Eindruck erweckt, ein extrem nervöser Kameramann verfolgt das Geschehen sowohl bei den Schießereien, als auch in den Zwischensequenzen. In den Schauplätzen wird uns mit Hilfe von Farbfiltern ein düsteres Shanghai dargeboten, das teilweise vor Details nur so strotzt. In diese realitätsnahe, beklemmende Atmosphäre reihen sich hier und da Zensurverpixelungen ein, etwa bei Kopfschüssen oder bei nackten Mädchen, die durch die Straßen Shanghais rennen usw., wodurch das Ganze wie ein Dokumentarfilm über die Erlebnisse zweier Verbrecher wirkt.
Wer diese Verpixelungen tatsächlich als Zensur versteht und nicht als Stilmittel, der hat das Konzept einfach nicht verstanden, beziehungsweise, reagiert, dank der Killerdebatte, allergisch auf jede Art von Zensur. Hierbei geht es allerdings nicht um sich in Luft auflösende Leichen, Blut das nicht spritzt, Köpfe die nicht platzen, oder Gliedmaßen, die sich nich abtrennen lassen, sondern um einen von den Herstellern bewusst eingesetzten Effekt.
Fakt ist, Kopfschüsse sind in der Realität ziemlich unansehlich. Mir ist kein Spiel bekannt, dass Kopfschüsse wirklich realistisch darstellt und mein Verlangen danach hält sich in Grenzen. Es geht eben nicht immer um die bloße Darstellung von Gewalt, sondern viel mehr um einen bestimmten Effekt. Zensur macht ja auch attraktiv, da es Verbotenes kennzeichnet. Manch ein Nippel ist interessanter, wenn er zensiert ist und manche Hip-Hop-Texte klingen mit Wegpiepsen oder simplen Weglassen von Wörtern provokanter.
Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung zum Spiel: Es ist eines der wenigen Spiele, bei denen man das Gefühl hat, dass es wirklich für Erwachsene gemacht wurde, was sich nicht, wie so oft, einfach nur an der enthaltenen Gewalt bemerkbar macht, sondern an der Erzählstruktur und der Atmosphäre. Das Verlangen nach Gewaltdarstellung halte ich übrigens für etwas Vorpubertäres, wobei ich natürlich nicht behaupte, dass ich es nicht auch besitze.
Ich wünschte mir, der ein oder andere Kriegsshooter würde sich an Kane & Lynch 2 ein Beispiel nehmen. So könnte man das Geschehen vielleicht besser als das darstellen, was es wirklich ist, nämlich als Horrorszenario.